Das ändert sich 2020 für Firmenkunden

Auch in 2020 ändern sich wieder einige Gesetze, Bestimmungen und Vorschriften über die Sie Bescheid wissen sollten.

Gesetzlicher Mindestlohn und Mindestvergütung für Azubis steigen

Gesetzlicher Mindestlohn

  • Ab 01.01.2020 gilt als gesetzlicher Mindestlohn 9,35 EUR brutto pro Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn gilt grundsätzlich für alle Branchen.
  • Anspruch haben alle Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, auch Rentner, volljährige Schüler und Studenten, ausländische Arbeitnehmer, Minijobber und Saisonarbeiter.
  • Einige Berufs- bzw. Personengruppen haben keinen Anspruch auf den Mindestlohn:
    Auszubildende, Ehrenamtliche, Selbstständige, Heimarbeiter, Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Schüler und Studenten innerhalb eines Pflichtpraktikums, Freiwillige Praktikanten in den ersten 3 Monaten des Praktikums, Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung, Personen die einen freiwilligen Dienst leisten, Personen während der Berufsbildungsvorbereitung oder Einstellungsqualifizierung, Teilnehmer einer Arbeitsförderungsmaßnahme (z.B. 1-Euro-Jobber), Menschen mit Behinderungen.

Mindestvergütung für Auszubildende

Eine Mindestvergütung für Auszubildende wird eingeführt.
Sie beträgt pro Monat ab 2020 = EUR 515,00, ab 2021 = EUR 550,00, ab 2022 = EUR 585,00 und ab 2023 = EUR 620,00.

Ausnahmen sind möglich: Arbeitgeber treffen mit Gewerkschaften ggf. Vereinbarungen für einzelne Branchen.

Höhere Sachbezugswerte für Verpflegung und Unterkunft

Zu beachten ist: Die Sachbezugswerte sind verbindlich für die Bewertung geldwerter Vorteile.

Sachbezugswerte Verpflegung

  • Volljährige Arbeitnehmer, Jugendliche und Auszubildende sowie volljährige Familienangehörige erhalten pro Tag bzw. monatlich
    Frühstück EUR 1,80 bzw. EUR 54,00
    Mittagessen EUR 3,40 bzw. EUR 102,00
    Abendessen EUR 3,40 bzw. EUR 102,00
  • Familienangehörige unter 18 Jahren erhalten pro Tag bzw. monatlich
    Frühstück EUR 1,44 bzw. EUR 43,20
    Mittagessen EUR 2,72 bzw. EUR 81,60
    Abendessen EUR 2,72 bzw. EUR 81,60
  • Familienangehörige unter 14 Jahren erhalten pro Tag bzw. monatlich
    Frühstück EUR 0,72 bzw. EUR 21,60
    Mittagessen EUR 1,36 bzw. EUR 40,80
    Abendessen EUR 1,36 bzw. EUR 40,80

Sachbezugswerte Allgemeine Unterkunft

  • Volljährige Arbeitnehmer erhalten pro Tag bzw. monatlich, wenn die Unterkunft belegt ist mit
    1 Beschäftigten EUR 7,83 bzw. EUR 235,00
    2 Beschäftigten EUR 4,70 bzw. EUR 141,00
    3 Beschäftigten EUR 3,92 bzw. EUR 117,50
    mehr als 3 Beschäftigten EUR 3,13 bzw. EUR 94,00
  • Jugendliche und Auszubildende erhalten pro Tag bzw. monatlich, wenn die Unterkunft belegt ist mit
    1 Beschäftigten EUR 6,66 bzw. EUR 199,75
    2 Beschäftigten EUR 3,53 bzw. EUR 105,75
    3 Beschäftigten EUR 2,74 bzw. EUR 82,25
    mehr als 3 Beschäftigten EUR 1,96 bzw. EUR 58,75

Sachbezugswerte Gemeinschaftsunterkunft / Arbeitgeberhaushalt

  • Volljährige Arbeitnehmer erhalten pro Tag bzw. monatlich, wenn die Unterkunft belegt ist mit
    1 Beschäftigten EUR 6,66 bzw. EUR 199,75
    2 Beschäftigten EUR 3,53 bzw. EUR 105,75
    3 Beschäftigten EUR 2,74 bzw. EUR 82,25
    mehr als 3 Beschäftigten EUR 1,96 bzw. EUR 58,75
  • Jugendliche und Auszubildende erhalten pro Tag bzw. monatlich, wenn die Unterkunft belegt ist mit
    1 Beschäftigten EUR 5,48 bzw. EUR 164,50
    2 Beschäftigten EUR 2,35 bzw. EUR 70,50
    3 Beschäftigten EUR 1,57 bzw. EUR 47,00
    mehr als 3 Beschäftigten EUR 0,78 bzw. EUR 23,50

Neue Werte in der Sozialversicherung

Versicherungspflichtgrenzen in der gesetzlichen Krankenversicherung

jährlich EUR 62.550,00 / monatlich EUR 5.212,50

Beitragsbemessungsgrenzen in der

  • Gesetzlichen Krankenversicherung
    jährlich EUR 56.250,00 / monatlich EUR 4.687,50
  • Gesetzlichen Rentenversicherung
    Alte Bundesländer jährlich EUR 82.800,00 / monatlich EUR 6.900,00
    Neue Bundesländer jährlich EUR 77.400,00 / monatlich EUR 6.450,00
  • Arbeitslosenversicherung
    Alte Bundesländer jährlich EUR 82.800,00 / monatlich EUR 6.900,00
    Neue Bundesländer jährlich EUR 77.400,00 / monatlich EUR 6.450,00
  • Knappschaftlichen Rentenversicherung
    Alte Bundesländer jährlich EUR 101.400,00 / monatlich EUR 8.450,00
    Neue Bundesländer jährlich EUR 94.800,00 / monatlich EUR 7.900,00

Beitragssätze in der

  • Rentenversicherung 18,6 %
  • Knappschaftlichen Rentenversicherung 24,7 %
  • Arbeitslosenversicherung 2,5 %
  • Gesetzlichen Krankenversicherung Allgemeiner Beitragssatz 14,6 % zuzüglich Kassenspezifischer Zusatzbeitrag
  • Pflegeversicherung 3,05 % Kinderlosenzuschlag 0,25 %

Verdienstgrenzen

  • Geringfügig Beschäftigte monatlich EUR 450,00
  • Geringverdiener monatlich EUR 325,00
  • Midijob / Gleitzonenjob monatlich EUR 450,01 bis EUR 1.300,00

Was sich bei den Steuern ändert

Steuervergünstigungen für E-Firmenwagen verlängert

  • Geplant ist: Die Halbierung des Bemessungsgrundlage bei der E-Firmenwagenbesteuerung gilt bis 31.12.2030.
  • Nutzt ein Arbeitnehmer einen E-Dienstwagen und darf diesen in der Arbeit kostenfrei aufladen, ist dieser Vorteil kostenfrei. Diese Vergünstigung soll ebenfalls bis 2030 verlängert werden.

Sonderabschreibung für Elektrolieferfahrzeuge

Ab 2020 ist geplant, für Elektrolieferfahrzeuge neben der normalen Abschreibung eine 50-prozentige Sonderabschreibung einzuführen.

  • Voraussetzung: Es ist ein neues (bisher ungenutztes) Elektrolieferfahrzeug mit Erstzulassung 2020 anzuschaffen. Die Erstzulassung muss auf die Firma lauten und sich um die Fahrzeugklasse N1, N2 oder N3 handeln.
  • Ein zu Vorführzwecken genutztes Fahrzeug ist steuerlich nicht begünstigt.
  • Lastkraftwagen mit mehr als 7,5 t werden nicht gefördert.

Neue Pauschalbesteuerung für Jobtickets

Der Arbeitgeber darf die Aufwendungen eines Mitarbeiters für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln im öffentlichen Personennahverkehr übernehmen. Die dafür zu zahlende Steuer kann der Arbeitgeber pauschal mit 25 % übernehmen.

Neuer Pauschbetrag für Berufskraftfahrer

  • Vorgesehen ist ein neuer Pauschbetrag von EUR 8,00 pro Kalendertag. Er gilt für Mehraufwendungen die entstehen, wenn der Mitarbeiter im Kraftfahrzeug des Arbeitgebers übernachtet, z.B. auf Raststätten und Autohöfen.
  • Der Nachweis höherer tatsächlicher Kosten bleibt möglich.

Höhere Pauschalen bei den Mehraufwendungen für Verpflegung

  • Bei 24-stündiger Abwesenheit sollen die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen ab 2020 von EUR 24,00 auf EUR 28,00 angehoben werden.
  • Bei mehr als 8-stündiger Abwesenheit sowie am An- und Abreisetag einer mehrtägigen Abwesenheit steigen die Pauschalen von EUR 12,00 auf EUR 14,00.
  •  

Gruppenunfallversicherung

Die Pauschalierungsgrenze für Beiträge zu einer Gruppenunfallversicherung soll von EUR 62.- auf EUR 100.- angehoben werden.

Kurzfristige Beschäftigung

Die pauschale Lohnsteuer bei kurzfristig beschäftigten Arbeitnehmern ist aktuell nur zulässig, wenn der durchschnittliche Arbeitslohn je Arbeitstag EUR 72.- nicht übersteigt. Dieser Höchstbetrag soll auf EUR 120.- angehoben werden. Zusätzlich soll der Stundenlohn für die Pauschalierung erhöht werden auf max. EUR 15.-.

Betriebliche Gesundheitsförderung

Der Steuerfreibetrag für Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung soll von EUR 500.- auf EUR 600.- erhöht werden.

Wie Beschäftigte ein höheres Nettogehalt bekommen

Oft bleibt von einer Gehalts- oder Lohnerhöhung nicht mehr viel übrig. Steuer und Inflation sind der Grund. Es gibt Möglichkeiten, dies in Grenzen zu halten. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Steuerberater.

Einige Beispiele für „Gehaltsextra“:

Kleine Geschenke

Ein Arbeitgeber lässt seinem Mitarbeiter kleine Geschenke zukommen. Sie sind unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei:

  • Es besteht ein besonderer persönlicher Anlass und das Sachgeschenk kostet brutto nicht mehr als EUR 40,00.

Beihilfe

Arbeitgeber, die weniger als fünf Mitarbeiter haben, dürfen unter bestimmten Voraussetzungen eine steuerfreie Beihilfe auszahlen:

  • Beim Arbeitnehmer ist privat ein belastendes Ereignis eingetreten und die Beihilfezahlung beträgt pro Jahr nicht mehr als EUR 600,00.

Kindergartengebühren

Der Arbeitgeber darf die Gebühren teilweise oder in voller Höhe übernehmen ohne dass Steuern oder Sozialabgaben anfallen. Die Voraussetzungen:

  • Kindergartengebühren werden zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn bezahlt.
  • Es ist nicht erlaubt, bestehenden Arbeitslohn zugunsten der Kindergartengebühren umzuwandeln.

Arbeitgeber-Darlehen

  • Arbeitgeber können ihre Beschäftigten mit einem Darlehen unterstützen.
  • Das Finanzamt besteuert ggf. den Zinsvorteil als Arbeitslohn. Als Basis gilt der Effektiv-Zinssatz der Deutschen Bundesbank.

Zuzahlungen zu gesundheitsfördernden Maßnahmen

Die Zuzahlungen des Arbeitgebers bleiben bis zu einem Betrag von EUR 500,00 pro Jahr unter folgenden Voraussetzungen steuerfrei:

  • Die Anforderungen müssen die §§ 20 und 20a SGB V erfüllen.
  • Kursinhalte sind z. B. Nikotinentwöhnung, Diätberatung, Rückentraining, Yoga und Stressbewältigung.

Tipps für die Balance betrieblicher Interessen und pflegenden Beschäftigten

  • Die aktuelle Situation ermitteln, z. B. mit Fragebogen: Welche Mitarbeiterin, welcher Mitarbeiter pflegt aktuell Familienangehörige? Sind die bereits angebotenen Maßnahmen in der Firma ausreichend, um die Arbeit zu flexibilisie-ren? Etc.
  • Informationsgespräche mit Betroffenen führen, um Pflegesituationen genauer kennenzulernen. Festlegen, welche Instrumente für eine pflegegerechte Personalpolitik im Unternehmen sinnvoll und praktikabel sind.
  • Beschäftigte informieren, welche Strategien und Vereinbarungen für längerfristige Pflegesituationen oder Notfälle möglich sind.
  • Die Unternehmenskultur anpassen. Das Thema offen mit den Beschäftigten und Führungskräften kommunizieren.
  • Rechtliche Vorgaben beachten. Für Arbeitnehmer, die Angehörige pflegen, gelten die Bestimmungen des Pflege- und Familienpflege-Zeitgesetz.

Registrierkassenpflicht

Für Betriebe mit einer elektronischen Registrierkasse besteht Bonpflicht. Die Kasse muss eine zertifizierte technische Sicherheitsausstattung haben.

Ab 01.01.2020 gilt:
Registrier- oder Computerkassen müssen über folgende Einrichtungen verfügen:
Sicherungsmodul, Speichermedium und digitale Schnittstelle.
Die genaue technische Ausgestaltung ist noch nicht beschlossen:
Bis 30.09.2020 gilt ein Nichtanwendungserlass.

Bis 31.12.2022 gilt:
Es können noch Kassen eingesetzt werden, die

  • im Zeitraum zwischen November 2010 und 31.12.2019 neu erworben wurden und nicht mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung nachzurüsten sind. (BMF-Schreiben vom 26.11.2010.)

Gesetzliche Feiertage 2020

Feiertag

Datum

Feiertag in folgenden Bundesländern

Neujahr

01.01.2020

bundesweit

Heilige Drei Könige

06.01.2020

Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt

Internationaler Frauentag

08.03.2020

Berlin

Karfreitag

10.04.2020

bundesweit

Ostersonntag

12.04.2020

Brandenburg

Ostermontag

13.04.2020

bundesweit

Tag der Arbeit

01.05.2020

bundesweit

Tag der Befreiung

08.05.2020

Berlin

Christi Himmelfahrt

21.05.2020

bundesweit

Pfingstsonntag

31.05.2020

Brandenburg

Pfingstmontag

01.06.2020

bundesweit

Fronleichnam

11.06.2020

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland

Augsburger Friedensfest

08.08.2020

Bayern

Mariä Himmelfahrt

15.08.2020

Bayern, Saarland

Tag der Deutschen Einheit

03.10.2020

bundesweit

Reformationstag

31.10.2020

Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen

Allerheiligen

01.11.2020

Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland

Buß- und Bettag

18.11.2020

Sachsen

1. Weihnachtstag

25.12.2020

bundesweit

2. Weihnachtstag

26.12.2020

bundesweit

Sicherheits- und Risiko-Check für Ihr Unternehmen

Vorausblickende Unternehmer beschäftigen sich regelmäßig mit möglichen betrieblichen Risiken. Welche Risiken sind zu akzeptieren, zu vermeiden oder zu versichern?

  • Risiken akzeptieren
    Wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass ein bestimmter Schadenfall eintritt, mögliche Auswirkungen tragbar oder aber die Kosten für Gegen-maßnahmen unverhältnismäßig hoch sind.
  • Risiken vermeiden
    Risiken mit hohem Schadenspotenzial für die eine Wahrscheinlichkeit relativ hoch einzustufen ist und die sich existenzbedrohend auswirken können.
  • Risiken versichern
    Viele Risiken muss man nicht akzeptieren. Und einige lassen sich nicht vermeiden. Prüfen Sie regelmäßig gemeinsam mit Ihrem Zurich Versicherungspartner, in welchem Umfang bestimmte Risiken abzusichern sind.

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